Mein KI-Werkzeugkasten — und was davon wirklich funktioniert
Dreieinhalb Jahre KI im Arbeitsalltag. Was geblieben ist, was ich wieder abgeschafft habe, und warum Sicherheit kein Hindernis sein muss.
Im letzten Impuls habe ich geschrieben, dass die Leute, die KI wirklich nutzen, selten darüber reden. Das stimmt auch für mich. Aber einmal mache ich eine Ausnahme — weil ich in der Beratung oft gefragt werde: Was nutzen Sie denn eigentlich selbst?
Drei Phasen, dreieinhalb Jahre
Mein Weg mit KI lässt sich grob in drei Abschnitte teilen. Keiner davon war geplant — jeder hat sich aus dem vorherigen ergeben.
Phase 1: Dialog (ab November 2022). Wie die meisten habe ich mit ChatGPT angefangen. Erst zum Ausprobieren, dann als täglicher Gesprächspartner für Recherchen, Textentwürfe, Ideenprüfung. Nach ein paar Monaten war klar: Das ist nicht Spielerei, das verändert meine Arbeitsweise.
Phase 2: Delegation (ab Frühjahr 2025). Irgendwann reichte Frage-Antwort nicht mehr. Ich wollte, dass KI eigenständig Aufgaben erledigt — recherchieren, Dokumente analysieren, Entwürfe vorbereiten. Zuerst mit Manus, einer der ersten brauchbaren agentischen Plattformen. Ab Herbst 2025 dann mit Claude Code von Anthropic — einem KI-System, das eigenständig arbeitet, nicht nur antwortet.
Phase 3: Eigene Infrastruktur (aktuell). Heute arbeite ich mit einem persönlichen KI-Assistenten namens Kai, aufgebaut auf dem quelloffenen PAI-System von Daniel Miessler. Kai hat spezialisierte Unter-Assistenten für Gegenprüfung, Expertendebatten und Recherche. Daneben läuft ein kleines Agententeam auf Basis von OpenClaw (Peter Steinberger) — auf eigener Hardware, in einer abgesicherten Umgebung.
Warum eigene Hardware?
Weil ich meinen Kunden nur empfehlen kann, was ich selbst verantworten würde. Ein Teil meiner Sprachmodelle läuft auf einem eigenen Rechner. Was in die Cloud geht, geht ausschließlich über europäische Anbieter mit Auftragsverarbeitungsvertrag — also DSGVO-konform, nicht nur auf dem Papier.
KI im Geschäftsalltag funktioniert nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und im Mittelstand fängt das beim Datenschutz an — nicht als Pflichtübung, sondern als Grundlage für Vertrauen.
Was ich wieder abgeschafft habe
Nicht alles hat funktioniert. Manus war beeindruckend, aber für meinen Bedarf zu unflexibel. Drei verschiedene lokale Sprachmodelle habe ich getestet und wieder verworfen — zu langsam, zu unzuverlässig für echte Arbeit. Zwei Automatisierungsworkflows, die auf dem Papier brillant aussahen, habe ich nach einer Woche abgeschaltet, weil sie mehr Probleme erzeugten als sie lösten.
Das gehört dazu. Wer nur seine Erfolge zeigt, verkauft Ihnen ein Bild, nicht eine Erfahrung.
Was das für Sie bedeuten könnte
Sie müssen keinen persönlichen KI-Assistenten bauen. Aber Sie könnten einen Nachmittag investieren und ein konkretes Werkzeug an einem echten Problem ausprobieren. Nicht theoretisch, nicht als Planspiel — an etwas, das morgen auf Ihrem Schreibtisch liegt.
Wenn Sie dabei merken, dass es funktioniert: Dann reden wir gerne darüber, wie der nächste Schritt aussehen könnte.
Arne Frick
breitengrad.ai — KI-Beratung für den Mittelstand
